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Rehabilitations- und Präventionsforschung:
Seit 1992 wurden von mir bis dato mehrere Projekte im Bereich der Rehabilitationsforschung und Präventivmedizin wissenschaftlich bearbeitet. Eines dieser Projekte wurde in 1994
anlässlich des 90. Deutschen Bädertages in Bad Pyrmont mit dem Forschungspreis für Prävention und Rehabilitation ausgezeichnet. Die wesentlichen bearbeitenden Projekte sollen im Folgenden in Grundzügen
dargestellt werden. Zusätzliche Links führen zu “Steckbriefen” der jeweiligen Einzelprojekte.
Rehabilitationsbegleitende apparative Diagnostik:
Anhand von Patientenkollektiven, welche insgesamt mehr als 3000 Patienten umfassten, wurde untersucht, zu welchem Anteil apparative funktionsdiagnostische Maßnahmen während stationärer Rehabilitationsbehandlungen
wesentliche, zuvor nicht bekannt gewesene Neudiagnosen ergaben. Die Erhebungen wurden exemplarisch an Langzeit-Elektrokardiogrammen und verschiedenen sonographischen Verfahren (Sonographien von Abdomen, Schilddrüse
und Herz) durchgeführt.
Es konnte gezeigt werden, dass etwa ein Drittel aller Rehabilitanden unvollständig vordiagnostiziert zur Rehabilitationsbehandlung anreiste und folgerichtig zu einem nicht unwesentlichen Anteil wesentliche
Neudiagnosen erarbeitet werden konnten, die Anlass für weitergehende diagnostische Maßnahmen und Therapien gaben.
Ausgehend von diesen Resultaten wurde diskutiert, dass eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme besonders günstige Rahmenbedingungen bieten kann, auch bisher nicht erkannte Erkrankungen ggf. in frühen Stadien
nachzuweisen, so dass einer stat. Rehabilitation auch unter Aspekten der Vorbeugung und Früherkennung ein besonderer Stellenwert beigemessen werden kann. Weiterhin wurde schlussgefolgert, dass es unter klinischen
Aspekten konzeptionell wünschenswert wäre, Sonographien und Langzeit-Elektrokardiographien in strukturierte Konzepte der ambulanten Gesundheitsdiagnostik bzw. Vorsorge zu integrieren.
Langfristiger Einfluss einer stationären Rehabilitationsmaßnahme auf kardiovaskuläre Risikofaktoren:
Die Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen in den Erkrankungs- und Todesursachenstatistiken der westlichen Zivilisationen an führender Stelle. Durch verschiedene Interventionsstudien konnte belegt werden, dass eine
Verbesserung bestehender kardiovaskulärer Risikofaktoren die zukünftige Inzidenz späterer atherosklerotischer Folgekomplikationen reduzieren kann (Primärprävention) und dass weiterhin eine Optimierung vorhandener
Risikofaktoren bei bereits manifesten atherosklerotischen Folgekrankheiten deren Verlauf und Prognose bessern kann (Sekundär und Tertiärprävention). Volkswirtschaftlich und gesundheitsökonomisch relevante
atherosklerotische Folgekrankheiten sind insbesondere die koronare Herzerkrankung (KHK) nebst Myokardinfarkt, zerebrale Durchblutungsstörungen einschl. Schlaganfall und die periphere arterielle Verschlusskrankheit
(pAVK).
Hypertonie, Fettstoffwechelstörungen und Adipositas stellen drei Risikofaktoren dar, welche in ihrem Verlauf durch direkten Erhalt von beliebig oft reproduzierbaren Messwerten gut quantifizierbar sind.
Vor diesem Hintergrund wurde ein Kollektiv von 1537 Rehabilitationspatienten auf das Vorhandensein dieser Risikofaktoren analysiert und es wurden die Risikofaktorenträger zunächst über 1 ½ Jahre, im weiteren Verlauf
über insgesamt drei Jahre nach Abschluss der jeweiligen Rehabilitationsmaßnahme nachbeobachtet.
Es konnte gezeigt werden, dass bei der Mehrzahl der rehabilitierten Patienten die jeweiligen Risikofaktoren 1 ½ bzw. 3 Jahre nach Abschluss der Rehabilitation in einem signifikant niedrigeren Bereich lagen als vor
Rehabilitationsantritt. Die jeweils erreichbaren Verbesserungen der Risikofaktoren bewegten sich in einem klinisch und prognostisch relevanten Bereich.
Basierend auf diesen Ergebnissen wurde diskutiert, dass eine stat. Rehabilitationsmaßnahme neben anderen therapeutischen Effekten auch geeignet ist, vorhandene kardiovaskuläre Risikofaktoren in einem relevanten
Ausmaß langfristig zu bessern, wodurch ein Beitrag zur zukünftigen Verringerung der Inzidenz kardiovaskulärer Folgekrankheiten und Kosteneinsparung geleistet werden kann.
Kosten-Nutzen-Analysen stationärer Rehabilitationen im Hinblick auf kardivaskuläre Risikofaktoren und deren Folgeerkrankungen:
Ausgehend von den Resultaten des vorerwähnten Projektes wurde der Versuch unternommen, eine differenzierte Kosten-Nutzen-Analyse stationärer Rehabilitationsmaßnahmen im Hinblick auf Hypertonie,
Fettstoffwechselstörungen und Adipositas vorzunehmen. Die jeweiligen Berechnungen wurden auf der Grundlage verschiedener publizierter Quellen vorgenommen:
- Ergebnisse großer Interventionsstudien zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Daten der Gesundheitsberichterstattung des Bundesministeriums für Gesundheit, des statistischen Bundesamtes und des Robert-Koch-Institutes
- Gesundheitsökonomische Publikationen anderer Autoren zu erkrankungsbezogenen direkten und indirekten Krankheitskosten
- Rehabilitationsbezogene Datenerfassungen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) bzw. des Verbandes der Rentenversicherer (VdR).
Unter Bezugnahme auf diese vorerwähnten Quellen wurden anhand der eigenen Interventionsergebnisse im Hinblick auf die vorerwähnten Risikofaktoren verschiedene Hochrechnungen vorgenommen, in welcher Weise sich
stationäre Rehabilitationsmaßnahmen durch Verhinderung oder Verzögerung kardiovaskulärer Folgekrankheiten gesundheitsökonomisch “rechnen”.
Zusammenfassend konnte ermittelt werden, dass die kalkulierbaren Einsparvolumina im Hinblick auf vermeidbare oder verzögerbare Folgekrankheiten deutlich höher liegen als die finanziellen Aufwendungen für die
Rehabilitationsmaßnahmen selbst. Hieraus ergibt sich, dass Rehabilitationsmaßnahmen bereits im Hinblick auf die drei Problemfelder Hypertonie, Fettstoffwechselstörung und Adipositas eine eindeutige Amortisation im
Hinblick auf eingesparte Folgekosten späterer Jahre erwarten lassen.
Sonomorphologische Befunde bei kardiologischen Rehabilitationspatienten in der frühen postakuten Erkrankungsphase – Unterschiede funktioneller Behandlungsergebnisse in Abhängigkeit von der durchgeführten
Primärtherapie
Bei diesem Projekt wurden Echokardiographien unter klinisch-funktionellen Aspekten ausgewertet, die bei kardiologischen Rehabilitationspatienten im Rahmen von stationären Anschlussheilbehandlungen in der frühen
postakuten Erkrankungsphase durchgeführt wurden. Es konnte gezeigt werden, dass sich die funktionellen Resultate bei Patienten mit diffuser koronarer Herzerkrankung, frisch abgelaufenen Vorder- und
Hinterwandinfarkten sowie bypass- und koronarchirurgischen Eingriffen erkrankungsspezifisch unterscheiden, so dass sich unter Aspekten der Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit in Abhängigkeit von der jeweils
vorliegenden Erkrankung bzw. dem jeweils durchgeführten operativen Eingriff unterschiedliche leistungsbezogene Zuordnungen treffen lassen. Auch konnte gezeigt werden, dass im Falle von Herzinfarkten Patienten mit
frühzeitig durchgeführten interventionellen oder koronarchirurgischen Eingriffen im statistischen Mittel eine deutlich bessere linksventrikuläre Funktion aufwiesen als ausschließlich konservativ behandelte
Patienten.
Ausgehend von diesen Ergebnissen wurde diskutiert, dass anzustreben wäre, jeden Patienten mit akutem Myokardinfarkt möglichst einer frühzeitigen Akut-Intervention zuzuführen. Konsequenzen, die sich hieraus im
Hinblick auf die zu fordernden klinischen Versorgungsstrukturen ergeben, wurden erörtert. Unter rehabilitationsmedizinischem Aspekt konnte abgeleitet werden, dass für die kardiologischen Rehabilitationspatienten mit
den jeweiligen Krankheitsentitäten erkrankungsangepasste spezifische Rehabilitationspläne konzipiert werden sollten.
Wesentliche Teile dieser Arbeit wurden unter meiner persönlichen Vorort-Betreuung von meiner Mitarbeiterin, Frau Sophia Berner, erstellt und von dieser als Doktorarbeit der Med. Fakultät der Universität Münster
vorgelegt.
Positive Effekte einer ergänzenden bilanzierten Diät mit Perilla-Öl und Rotweintrauben-Extrakt auf kardiovaskuläre Risikofaktoren und Befindlichkeitsfaktoren:
100 Patienten mit belegter Atherosklerose und essentieller Hypertonie erhielten über 12 Wochen in Ergänzung zu ihrer üblichen Kost und Medikation eine ergänzende bilanzierte Diät, bestehend aus Perilla-Öl (pflanzl.
Omega 3) und Rotweintrauben-Extrakt. Verwendet wurde das Produkt Tuim arteria, welches eine tägliche Zuführung von 1,6 g Alpha-Linolensäure und 0,6 g Rotweintrauben-Extrakt gewährleistet.
Es konnte gezeigt werden, dass unter dieser 12-wöchigen ergänzenden bilanzierten Diät sowohl die Blutfettwerte als auch der Blutdruck und die Nüchtern-BZ-Werte der Probanden
statistisch signifikant gebessert werden
konnten. Ebenfalls positiv beeinflusst werden konnten verschiedene subjektive Befindlichkeitsparameter. Das Körpergewicht blieb andererseits unbeeinflusst.
Aus dieser Verzehrsbeobachtung konnte geschlossen werden, dass sich eine ergänzende bilanzierte Diät, bestehend aus pflanzlichem Omega 3 und Rotweintrauben-Extrakt bei Patienten mit manifester Atherosklerose und
Hypertonie positiv auf wesentliche atherosklerotische Risikofaktoren auswirken und zusätzlich auch die subjektive Befindlichkeit bessern kann. Daher wäre unter präventivmedizinischen Aspekten naheliegend, neben
anderen Strategien der Prävention auch eine solche ergänzende bilanzierte Diät zu praktizieren. Die beobachtbaren Verbesserungen der jeweiligen Risikofaktoren waren unter klinischen und präventivmedizinischen
Gewichtspunkten relevant, so dass erwartbar ist, dass durch eine ergänzende bilanzierte Diät in Ergänzung zu anderen Präventionsstrategien ein zusätzlicher Beitrag zur Inzidenzverringerung zukünftiger
atherosklerotischer Folgekrankheiten geleistet werden kann.
Multiparameter-Analyse - neue mathematische Modelle zur ganzheitlichen kardiovaskulären Risikostratifizierung in der Primärprävention - - Berechnungen zur Relativität von kardiovaskulären
Risikofaktoren und Risiko-Scores -
In diesem Forschungsprojekt werden zunächst die Möglichkeiten und Grenzen anerkannter Risiko-Scores aufgezeigt, welche zur individuellen Abschätzung kardiovaskulärer Risiken zur Verfügung stehen. Diese Scores
berücksichtigen historisch bedingt jeweils nur wenige definierte Einzelrisiken; zahlreiche weitere real existierende Risikofaktoren, die ebenfalls Herz-Kreislauf-Komplikationen bedingen können, gehen in diese Scores
nicht ein. Gleiches gilt für “Bonus-Faktoren”, welche kardiovaskuläre Risiken verringern können. Daher gehört nur eine Minderheit aller Herzinfarkt-Patienten zu einer Hochrisikogruppe, wenn die bisher etablierten
Risiko-Scores retrospektiv auf Einzelfälle angewendet werden.
Weiterhin werden in diesem Projekt umfangreiche literaturgestützte Recherchen durchgeführt, um auf der Grundlage publizierter Studien einen möglichst umfassenden Gesamtüberblick über das Spekrum der insgesamt
existenten kardiovaskulären Risiko- und Bonusfaktoren zu erhalten.
Schließlich werden mathematische Modelle entwickelt, unter Berücksichtigung des Zusammenwirkens aller in Betracht kommenden Risiko- und Bonusfaktoren plausible resultierende Gesamtrisiken quantitativ abzuschätzen.
Diese Modelle beschreiben mathematisch die Relativität zusammenwirkender Risikofaktoren hinsichtlich erwartbarer Gesamtrisiken und die Relativität der etablierten Scores, wenn diese vergleichend bei identischen
Risikokonstellationen angewendet werden.
Die folgenden Links führen zu Kurzbeschreibungen der jeweiligen Einzelpublikationen. Diese sind in entsprechender Weise auch im Rehabilitationsforschungsverzeichnis der Datenbank Rehadat (www.rehadat.de) hinterlegt (Pfad: rehadat.de - Forschung - Personen - Piper - suchen).
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